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Kutschkergasse, 1180 Wien

Wo Wiener Tradition auf modernes Wohnen trifft

Es gibt keine apodiktischen und allgemein gültigen Sätze in der Architektur. Es gibt kein ästhetisches Argument, es gibt nur ein ästhetisches Postulat. Helmut Richter
  • Planungszeit:
  • 2025-2026
  • Leistungsumfang:
  • Architektur, Entwurf, 3D
  • Fotos/Pläne:
  • Martin Haas Architekten
  • 2025-2026
  • Architektur, Entwurf, 3D
  • Martin Haas Architekten

Wer durch die Kutschkergasse im 18. Wiener Gemeindebezirk Währing schlendert, spürt sofort das besondere Wesen dieses Viertels. Die Gasse, 1894 nach dem Erzbischof Johann Rudolf Kutschker benannt, die zuvor den schlichten Namen Kirchengasse trug, mündet gleichsam in den Kutschkermarkt, einen der letzten authentischen Wiener Straßenmärkte, wo sich das kleinteilige Gefüge aus Greißlern, Standln und Kaffeehäusern über Jahrzehnte erhalten hat und dem Alltag eine beinahe dörfliche Intimität verleiht.

An der Nummer 13 erinnert eine Gedenktafel an Karl Kinzer, den Ingenieur der II. Wiener Hochquellenleitung, der in diesem Haus lebte und Wiens moderne Wasserversorgung entscheidend mitprägte. Das Gründerzeithaus selbst, ein stiller Chronist der Wandlungen dieses Viertels, wird nun zum Schauplatz einer architektonischen Intervention, die Geschichte und Gegenwart in einen behutsamen Dialog setzt. Der geplante Dachgeschoßausbau entfaltet dort, wo einst das Dach als bloßer Abschluss diente, einen zeitgenössischen Wohnraum, der die historische Substanz nicht überformt, sondern subtil fortschreibt.

Zum Innenhof hin öffnen moderne Rückbauten mit fließenden Balkonlandschaften das Gebäude und lassen einen grünen Rückzugsort entstehen, der wie ein vertikaler Garten zwischen den Brandmauern schwebt. Darüber breiten sich Dachterrassen als begehbare Landschaft über dem ehrwürdigen Ziegeldach aus und gewähren Blicke über die Dächer Währings bis hin zu den Ausläufern des Wienerwaldes.

In der Vogelperspektive offenbart sich die ganze Eleganz des Entwurfs: eine Komposition aus Glas, Grün und Geometrie, die das Bestehende nicht imitiert, sondern in einen spannungsvollen Kontrast setzt. Die Kutschkergasse 13 wird damit zu einem Beispiel jener behutsamen Wiener Stadterneuerung, die das Erbe der Gründerzeit nicht als museales Relikt konserviert, sondern als lebendiges Fundament begreift, bereit, neue Schichten aufzunehmen, ohne die alten zu verleugnen.